Ein wichtiger Tag für Peru

Als wir überlegten, nach Peru zu ziehen, dachten wir, dass Peru ein politisch stabiles Land sei und wir keine Probleme zu befürchten bräuchten. Leider haben wir uns da getäuscht. Im Moment ist Peru politisch sehr angespannt. Der Odebrecht-Skandal hat auch den peruanischen Präsidenten (Pedro Pablo Kuczynski - PPK) erfasst.

Hintergrund: der Odebrecht-Konzern hat in zwölf Ländern über 800 Millionen US-Dollar an Schmiergeldern gezahlt, um dafür Bauaufträge zu erhalten. Auch politische Amtsträger haben die Schmiergelder entgegengenommen. Der ehem. Präsident von Brasilien, Lula da Silva, wurde z.B. zu fast zehn Jahren Haft verurteilt. Auch gegen drei ehem. Präsidenten von Peru wird derzeit ermittelt.

Zwischen 2004 und 2007 hat ein Unternehmen, an dem PPK beteiligt war, wahrscheinlich über 782.000 US-Dollar erhalten. In dieser Zeit war PPK zunächst Wirtschafts- und Finanzminister und später Ministerpräsident in der Regierung von Alejandro Toledo. PPK bestreitet, von den Zahlungen gewusst zu haben, da er zu dieser Zeit keinen entscheidungstragenden Posten besetzt habe. Die Peruaner glauben ihm das nicht.

Insbesondere seine politische Gegnerin Keiko Fujimori will diese Chance nutzen und ihn stürzen. Und das ist extrem heikel für Peru. Keiko Fujimoris Vater war von 1990 bis 2000 Präsident von Peru und sitzt seit vielen Jahren wegen Korruption und Verbrechen gegen die Menschlichkeit (er hat unter anderem Zwangssterilisationen unter den Quechua durchführen lassen) im Gefängnis. Die Tochter bemüht sich seitdem, Präsidentin zu werden, um ihren Vater aus der Haft zu holen. Keiko Fujimori hat aufgrund der Verbrechen ihres Vaters bei einem Großteil der Bevölkerung keinen großen Rückhalt. Ihre Partei (Fuerza Popular) hat allerdings 71 von 130 Sitzen im Parlament - die Partei des Präsidenten hat nur 20 Sitze. PPK ist damit politisch ziemlich schwach.

Fujimori hat wegen der aktuellen Geschehnisse ein Amtsenthebungsverfahren beantragt. Während man in Deutschland so lange unschuldig ist, bis das Gegenteil bewiesen wurde, muss PPK hier in Peru bis morgen seine Unschuld beweisen, ansonsten stimmt das Parlament darüber ab, ob er des Amtes enthoben wird. Dazu ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig (87 Stimmen). Fujimori hat schonmal 70 Stimmen...

Wenn PPK abgesetzt wird, würde einer der Vize-Präsidenten eingesetzt werden. Die sind allerdings im Ausland und werden die Präsidentschaft voraussichtlich verweigern. Experten gehen bei einer Absetzung von einer großen politischen Instabilität aus. Unsere Sprachschullehrerinnen machen sich große Sorgen um Cusco, weil Cusco so stark vom Tourismus abhängig ist, der bei einer Krise ausbleiben könnte. Uns haben sie geraten, die wichtigen Nahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Mehl, Zucker, etc. im Haus zu haben. Sie erwarten in Cusco zwar keine großen Unruhen, aber man kann ja trotzdem nie wissen...

Bitte betet, dass die Situation politisch gelöst werden kann und wir keine Schwierigkeiten bekommen werden.

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Kommentare: 1
  • #1

    Elisabeth (Mittwoch, 20 Dezember 2017 23:10)

    Im Gebet und Gedanken bei Euch.