Prüfungen mit Hindernissen

Irgendwie haben wir es mit den Prüfungen… Wer uns schon länger kennt, weiß, dass an unseren Prüfungstagen immer irgendetwas anders kommt. Aus dieser Erfahrung heraus haben wir uns vor unserer theoretischen Führerscheinprüfung (Dienstag) umfassend bei Mitarbeitern des Transportministeriums informiert, was wir vorher gemacht haben müssen und was zur Prüfung mitzubringen sei. Sie bestätigten uns, dass wir alles hätten.

Zur Sicherheit sind wir aber doch noch fast eine halbe Stunde früher am Ort des Geschehens aufgetaucht und mussten feststellen, dass uns doch noch ein Dokument gefehlt hat, um einen ganzen Stapel an Dokumenten einzureichen und ein finales Dokument zu erhalten, mit dem wir dann die Prüfung machen dürfen. Das Ganze hat so lange gedauert, dass wir neun Minuten später beim Prüfungsraum ankamen, als wir sollten. Da bei Peruanern Pünktlichkeit aber keinen großen Wert hat, war das doch kein Problem. Dennoch waren wir jetzt aufgeregter als nötig. Da wir aber in den letzten Wochen fleißig gelernt hatten, war die Prüfung kein Problem und wir bestanden (Mandy sogar fehlerlos!). 😊

Am nächsten Tag wollten wir direkt die praktische Fahrprüfung ablegen. Da wir wie oben beschrieben schon dutzende Male Fehlinformation von den dafür verantwortlichen Personen erhalten haben, wollten wir wieder sichergehen, alle Informationen für die praktische Prüfung erhalten zu haben und fuhren nochmals zum Prüfungsgelände. Dort stellte sich heraus, dass ein Auto pro Prüfungstag nur einmal genutzt werden könne und man verschiedene Kopien mitbringen müsse. Diese Informationen kamen aber nicht von den Offiziellen, sondern von Taxifahrern, die ihr Auto an Prüflinge ausleihen.

Am nächsten Morgen sollte also nur ich (Jonathan) seine Prüfung ablegen. Vor lauter Aufregung konnte ich kaum schlafen und so bin ich völlig übermüdet um 06:00 Uhr mit Mandy zur Garage gefahren. Wir haben noch ein wenig geübt, um um 06:45 Uhr auf dem Prüfungsgelände zu erscheinen – Man sollte zwischen 06:30 und 07:30 dort auftauchen. Um kurz nach sieben sind wir auf den Hof gerollt und haben uns als erste in die Reihe gestellt, weil noch kein anderer Prüfling da war. Die Zeit haben wir genutzt und einem etwa 75-jährigen Mann, der dort als Hilfsarbeiter angestellt ist, von Diospi Suyana zu erzählen.

Zwischen 7:30 und 08:30 Uhr kamen dann noch 27 weitere Prüflinge. Dann sollte Mandy auch das Gelände verlassen und außerhalb warten, weil dann angeblich die Prüfer kämen und alles losginge. Sie konnte jetzt nur noch durch einen Torschlitz bei den Prüfungen zuschauen.

Und dann ging das Warten los. Es passiert praktisch nichts auf dem Prüfungsgelände. Erst um 09:40 tauchten die Prüfer auf. Sie verschwanden wieder, kamen kurz, um die Autos zu registrieren und waren wieder verschwunden. Erst um 10:20 Uhr gingen die Prüfungen los.

Als erstes muss man sein Auto rückwärts seitlich mit einem Abstand von 20 cm an der Seite einparken. Zum Vorder- und Hintermann hat man jeweils 40cm (es waren definitiv weniger…). Hier fallen die meisten durch. Auch an diesem Tag musste 1/3 der Prüflinge direkt wieder vom Hof fahren. Ich habe meinen Einparkversuch ebenfalls sehr schlecht gestartet. Irgendwann hat der Prüfer gesagt: „Fahr einfach nochmal raus!“ Das war schon ein großartiges Geschenk. Während des zweiten Versuchs fragte der Prüfer: „Du arbeitest in Curahuasi?“ In dem Moment wusste ich sofort, dass hier was Gutes passiert. Ich war gleich total entspannt und parkte sofort wunderbar ein. Der alte Mann hatte den Prüfern wohl von uns erzählt. Ich bestand diesen Teil und durfte wieder eine Dreiviertelstunde warten.

Danach musste ich etwa 60m rückwärts an einer weißen Linie zurückfahren und dabei immer den ungefähren Abstand von 20cm einhalten – der leichteste Teil der Übung. Dann musste ich wieder warten. Mandy stand während der ganzen Zeit draußen vor dem Tor in der Sonne und durfte bei den wartenden Taxifahrern Zeugnis geben.

Als letztes musste ich eine kleine Runde durch Cusco drehen. Auch dieser (äußerst grimmig guckende) Prüfer fragte mich davor einiges zu Diospi Suyana. Also war ich wieder entspannter. Hab dadurch aber völlig vergessen, wovor ich vorher gewarnt wurde: die Prüfer tun mit einer Handbewegung nur so, als würden sie den Sicherheitsgurt anlegen. Ich rollte also los und wollte gerade vom Hof fahren, als ich sah, dass er ihn nicht angelegt hatte. Ich bat ihn, ihn anzulegen, er meinte aber, dass das jetzt zu spät sei und ich durchgefallen wäre. Ich bat ihn, einfach weiterzumachen, weil wir ja noch gar nicht vom Hof gefahren seien. Missmutig legte er den Gurt an und sagte mir mehrmals, dass ich eigentlich durchgefallen sei. Jetzt war ich völlig aufgeregt und fuhr wirklich wie ein Anfänger. Ich machte meine Runde und dachte, alles richtig gemacht zu haben. Als wir standen, meinte er aber, ich hätte meine Arme nicht als zusätzliche Hilfe zum Anzeigen des Abbiegens genommen (laut Regeln muss man das nur in besonderen Fällen machen – er meinte, ich hätte das machen müssen). Er nahm seinen roten Stift und meinte wieder, dass ich jetzt durchgefallen sei. Ich hatte gar keine Lust mehr zu protestieren und fragte nur nach, ob das jetzt wirklich sein ernst sei. Der nächste Prüfer (vom Einparken) kam und meinte gleich: „Durchgefallen, ne?“ Allerdings sah ich in diesem Moment, dass der Prüfer ein „A“ bei „aprobado“ („bestanden“) eintrug und hatte den Verdacht, dass sie mich nur ärgern wollten. Ich musste dreimal nachfragen, bis sie anfingen zu lachen und mir sagten, dass ich bestanden hätte. Vielleicht haben sie zu diesem Zeitpunkt noch auf eine Bestechung gehofft – ich glaube aber, dass sie alle von Anfang an vorhatten mich bestehen zu lassen, wenn ich nicht katastrophale Fehler machen würde.

Der andere Prüfer kam nochmal zu mir und sagte, dass er mir beim Einparken geholfen hätte, da hätte ich auch schon durchfallen können. Für mich war da einfach wieder ganz klar, dass GOTT die Herzen der Menschen bewegt und Gnade schenken wollte.

Nachmittags musste man im Ministerium ein Dokument abholen. Komischerweise stand in dieser Schlange auch eine Frau, die direkt bei Einparken durchgefallen war – so schien es zumindest. Mandy meinte sogar, dass sie nicht mal einen Einparkversuch gewagt hätte, sondern gleich wieder rausgefahren sei, nachdem ihr Auto und der Name registriert wurden. Irgendwie hat sie wohl doch bestanden… Korruption ist und bleibt ein großes Thema in Peru.

Vielen, vielen Dank an Euch für die vielen Gebete. Jetzt dürft ihr weiter für Mandy beten. Sie wird ihre Prüfung wohl in der nächsten Woche machen.

 

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Ein typisch peruanischer Kindergarten

Heute durfte ich (Mandy) einen typischen (privaten) peruanischen Kindergarten besuchen. Es war sehr spannend und so ganz anders als man es aus Deutschland kennt. Heute war dazu noch ein etwas besonderer Tag, weil gestern die „Virgen de Fatima“ gefeiert wurde. Nach der morgendlichen Begrüßung und dem gemeinsamen Hymnensingen, gingen wir mit den Kindern in eine nahegelegene Kirche, die hier mehr templo genannt wird. Dort wurden Lieder zur „Ehre und Freude von Maria und der Virgen de Fatima“ gesungen, mehrere Ave-Marias gebetet und der „padre“ hielt eine kurze Predigt zur Feier der Virgen de Fatima. Am Ende gab es für jedes Kind noch ein Bild des "Herrn des Tempels", das sie sich über ihr Bett kleben sollten, damit es sie beschütze. Nach weiteren Bekreuzigungen und Ave-Marias wurde die Virgen de Fatima in Form einer kleinen Statue unter Gesang der Kinder in den Kindergarten getragen. Viele Leute, die an uns vorbeiliefen, bekreuzigten sich und auch die verschiedenen Eingänge des Kindergartens wurden mit Verbeugungen gesegnet. Für mich war es ein komisches Gefühl, dies so mitzuerleben und zu sehen, wie GOTT und Jesus Christus aus dem Zentrum gerückt werden und stattdessen Statuen und Bilder als Beschützer und anbetungswürdig dargestellt werden.

Zurück in den Gruppenräumen begann das gemeinsame Arbeiten. Ich durfte mir die Klasse der 5-jährigen genauer anschauen. Den Raum kann man sich wie einen Klassenraum einer Grundschulklasse vorstellen. Es gab kein Spielzeug, ein kleines Bücherregal, weitere Regale für Unterrichtsmaterial und die Taschen der Kinder, eine große Tafel und kleine Schreibtische mit Stühlen. Von 9-13 Uhr haben die Kinder täglich Unterricht: von Mathematik über Kommunikation und Feinmotorik gibt es verschiedene Bücher, die bearbeitet werden. Die Lehrerin hält alle Unterrichtsstunden und wird dabei von einer Hilfskraft begleitet, die Arbeitsblätter sortiert, Hausaufgaben korrigiert, etc. Um 11Uhr gibt es eine kurze Pause, in der auf den Plätzen gegessen und getrunken wird, und danach geht der Unterricht bis 13Uhr weiter. In diesem Kindergarten gibt es einmal wöchentlich eine kurze Musikeinheit, Karateunterricht und Bewegung.

Für die Lehrerin, die ich etwas begleiten durfte, war es kaum vorstellbar, dass es in Deutschland so anders und „frei“ ablaufen sollte, für mich hingegen war es etwas ganz Neues, dass die Kinder schon im Kindergarten, und laut Aussagen dieser Lehrerin bereits ab 3 Jahren, mit Unterrichtsmaterial an Schreibtischen arbeiten. Beim Einschulungstest würden die Schulen wohl Lesen, Schreiben und Rechnen voraussetzen. Dass dies den Kindern dieser Klasse bereits gelingt, kann man auf den Bildern unten sehen.

Ich bin froh, einen kurzen, aber direkten Einblick bekommen zu haben und freue mich schon sehr auf den Kindergarten in Curahuasi, der versucht, die Erwartungen vieler peruanischer Eltern mit den freien Spiel- und Bewegungsideen der Europäer zu vereinen.

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Das ist mal einen Blogeintrag wert: Döner!

Wir hatten schon vor längerem davon gehört, dass es in Cusco etwas geben solle, was wir vermissen: Döner! Gestern Abend war es dann so weit. In einem kleinen Gässchen fanden wir, was wir suchten - direkt daneben wurden uns noch Drogen angeboten, die wir dankbar ablehnten. Vielleicht hatte der Dönermann auch was von den Drogen genommen. Er erzählte etwas von sieben Tieren, die um seinen Körper herum leben würden.

Wir haben uns dann mit dem Döner auf den Plaza de Armas gesetzt. Er schmeckte zwar nicht wie typischer deutscher Döner, hatte aber genügend Ähnlichkeit, sodass wir sehr zufrieden waren.

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Ende der Sprachschulzeit - ein halbes Jahr Peru

22 Wochen in der Sprachschule sind nun (endlich) vorbei. Gestern Vormittag haben wir uns mit einem kleinen Buffet verabschiedet. Wir durften viel lernen und schöne Ausflüge mitmachen. Wir freuen uns, dass wir von der Sprachschule das Niveau C1 im Lesen, Hören und Schreiben bestätigt bekommen haben. Im Sprechen haben wir ein B2-Niveau bescheinigt bekommen. Mit der alltäglichen Praxis in Curahuasi werden wir aber auch diesen Bereich schnellstens verbessern.

Heute vor einem halben Jahr sind wir ausgewandert. Es ist unfassbar, wie schnell die Zeit vergangen ist. In drei Wochen dürfen wir nun endlich nach Curahuasi ziehen! Wir freuen uns sehr darauf, von der Schülerposition wieder in die Lehrerposition wechseln zu dürfen. :-)

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Mit einem Lächeln auseinandergegangen

Endlich erledigt. Die letzten Tage haben uns ganz schön viele Nerven und Schlaf gekostet. Jetzt fühlen wir uns einfach erleichtert und freuen uns, dass wir uns jetzt wieder auf andere Sachen konzentrieren können.

Die Familie fragte uns, ob wir auch mit weniger Geld einverstanden seien, wenn sie uns das Geld doch auf einmal zahlen könnten. Da wir ihnen eh mehr erlassen wollten, haben wir dem zugestimmt und waren daher gestern bei einem Notar, um ein Dokument zu verfassen, dass wir auf weitere Ansprüche verzichten werden. Eben haben wir dieses Dokument gemeinsam bei der Polizei abgegeben. Heute haben sie sehr freundlich mit uns gesprochen und der Mann erzählte uns, dass er aus Curahuasi stamme. Wir haben ihm gesagt, dass er bei gesundheitlichen Problemen zu Diospi kommen solle und uns dann einfach vorher anrufen könne.

Zum Abschluss haben wir noch ein Foto gemacht und ihnen GOTTES Segen gewünscht und durften mit einem erleichterten Lächeln auseinandergehen.

 

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